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Informationen zum Nachteilsausgleich

Behinderten und chronisch kranken Studierenden wurde im Sinne des Nachteilsausgleiches zur adäquaten Bewältigung ihres Studiums ein Rahmenwerrk eingeräumt, welches im Folgenden detailliert erläutert wird.

  1. Gesetzliche Grundlagen
  2. Vorgaben der Technischen Universität Dresden
  3. Prüfungsordnungen
  4. Vorgehen zur Geltendmachung

Gesetzliche Grundlagen

Das Recht auf einen angemessenen Nachteilsausgleich für behinderte und chronisch kranke Studierende ergibt sich bereits aus dem Gleichheitsgrundsatz, dem Sozialstaatsprinzip und dem Benachteilungsverbot für behinderte Menschen im Grundgesetz (Artikel 3 und 20).

Des Weiteren sind die Hochschulen nach dem Hochschulrahmengesetz (HRG § 2, Abs. 4, Satz 2) verpflichtet, die besonderen Bedürfnisse der behinderten Studenten zu berücksichtigen.

Im sächsischen Hochschulgesetz (SächsHG, § 4, Abs. 6) sind die Hochschulen aufgefordert, die besonderen Bedürfnisse der behinderten Hochschulmitglieder und Hochschulangehörigen zu berücksichtigen:

Die Hochschulen wirken an der sozialen Förderung der Studenten mit. Sie fördern die Lösung der besonderen Probleme ausländischer Studenten sowie der Studenten mit Kindern und berücksichtigen die besonderen Bedürfnisse der behinderten Hochschulmitglieder und Hochschulangehörigen.

Ebenso ist in der Muster-Rahmenordnung für Diplomprüfungsordnungen - Universitäten und gleichgestellte Hochschulen (§ 5, Abs. 2) und in der Muster-Rahmenordnung für Diplomprüfungsordnungen - Fachhochschulen (§ 6, Abs. 2) sowie in den Allgemeinen Bestimmungen für Magisterprüfungsordnungen (Magistra Artium/Magister Artium (§ 5, Abs. 5) festgeschrieben, dass es den Kandidaten gestattet werden muss, Prüfungsleistungen in einer anderen Form zu erbringen, sofern sie glaubhaft machen, dass sie aufgrund einer länger andauernden oder ständigen körperlichen Behinderung nicht in der Lage sind, Prüfungsleistungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen. Für Staatsprüfungen gelten die jeweiligen Gesetze und Verordnungen der zuständigen Länderministerien. Die Ausnahmen für bestimmte Studiengänge, wie z.B. Lebensmittelchemie, Jura und Lehrämter, können bei der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerkes angefordert werden.

Vorgaben der Technischen Universität Dresden

Die folgenden Abschnitte sind redaktionelle Auszüge aus dem Entwurf einer dienstrechtlichen Regelung zum Thema " Studium und Behinderung - von der Bewerbung bis zum Arbeitsmarkt " an der TU Dresden (IGB, Stand April 2004).

Nach dem Prinzip der Freiwilligkeit sollten die Betroffenen ihre Problemsituation rechtzeitig gegenüber den jeweiligen Verantwortungsträgern darstellen. Nur so sind Unterstützung und Anpassung der Studienbedingungen für Studienbewerber und Studierende mit Behinderung oder chronischer Krankheit am effizientesten möglich.

In Prüfungsangelegenheiten sind die jeweiligen Hochschullehrer die wichtigsten Ansprechpartner, für lehrgebietsübergreifende Fragestellungen ist ein Prüfungsausschuss zuständig, in Sonderfällen ein Studiendekan, eine Senatskommission oder der Prorektor für Bildung.

Der Beauftragte für Studierende mit Behinderung an der Technischen Universität Dresden, steht sowohl Studierenden als auch Lehrenden beratend zur Verfügung. Er stützt sich dabei auf Erfahrungen der Interessengemeinschaft Studium und Behinderung an der TU Dresden (siehe auch Unterstützung an der TU Dresden ).

Die Verantwortung für die Gestaltung barrierefreier Studienbedingungen bzw. für die Gewährung von Nachteilsausgleich liegt, wenn nicht anders geregelt, bei den Studiendekanen der jeweiligen Fakultäten.

Die Gestaltung barrierefreier Studienbedingungen betrifft die unterschiedlichsten Verantwortungsbereiche. Dafür sind erfahrungsgemäß individualisierbare Handlungskonzepte erforderlich, die in der Regel mit einem hohen Anteil operativ umzusetzender Einzelentscheidungen verbunden sind.

Daraus ist ersichtlich, dass es keine Regelfälle für den Nachteilsausgleich gibt, sondern jeweils individuelle Modifikationen erarbeitet und umgesetzt werden müssen. Dazu ist eine rechtzeitige Beratung und Anrufung des Prüfungsausschusses notwendig, damit dadurch keine Zeitverzögerungen beim Studierenden entstehen.

Der Nachteilsausgleich kann unterschiedlichste Formen besitzen. Dazu zählen z.B. Mobilitäts- und Kommunikationshilfen, studentische Hilfskräfte für Aufbereitung von Dokumenten, Service für Vorlesungsnachschriften, spezielle Prüfungsbedingungen, barrierefreie Verwaltungsbereiche und Wohnumgebung u.a.m.

Die Technische Universität Dresden verfügt über keine zentrale Kostenstelle für studiengangspezifische Nachteilsausgleiche. Die erforderlichen Mittel werden in der Regel aus den Finanzhaushalten der jeweiligen Fakultäten aufgebracht bzw. in Form von fakultätsübergrei fenden Ausgleichen. Zusätzlich können Studierende Leistungen nach dem Sozialhilferecht beantragen. Partner dafür sind örtliche und überörtliche Leistungsträger, z.B. der Landeswohlfahrtsverband.

Prüfungsordnungen

Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten können infolge individueller Besonderheiten Nachteile beim Erbringen von Leistungsnachweisen entstehen. Es gehört zu den Aufgaben von Hochschulen, solchen Benachteiligungen entgegenzuwirken.

Formal erfolgt dies über studiengangspezifische Prüfungsordnungen. Auch wenn die besonderen Bedingungen nicht immer explizit angegeben sind, haben behinderte Studierende aufgrund der in Abschnitt 1. Gesetzliche Grundlagen genannten Gesetze das Recht auf angemessene Berücksichtigung der Studien- und Prüfungsbedingungen. Durch das Einräumen des erforderlichen Nachteilsausgleichs im Studien- und Prüfungsverlauf wird eine Annäherung der Ausgangsbedingungen und Chancengleichheit hergestellt.

Die vom Beirat der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerks empfohlene Formulierung für den Nachteilsausgleich in den Prüfungsordnungen lautet:

"Macht der Kandidat glaubhaft, dass er wegen länger andauernder oder ständiger körperlicher Behinderung nicht in der Lage ist, Prüfungsleistungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen, so wird dem Kandidaten gestattet, die Prüfungsleistungen innerhalb einer verlängerten Bearbeitungszeit oder gleichwertige Prüfungsleistungen in einer anderen Form zu erbringen. Dazu kann die Vorlage eines ärztlichen Attestes verlangt werden. Entsprechendes gilt für Studienleistungen."

Dies bezieht sich also nicht nur auf Zwischen- und Abschlussprüfungen, sondern auch auf Leistungsnachweise und Teilabschnitte im übrigen Studium.

Vorgehen zur Geltendmachung

Studienbewerber und Studierende sollten sich frühzeitig an die oder den Beauftragten für Behindertenfragen der Hochschule wenden, um die Notwendigkeit und Art des Nachteilsausgleichs zu beraten und durchzusetzen. Da die jeweiligen Einschränkungen und Bedürfnisse der behinderten und chronisch kranken Studierenden sehr individuell sind, sind auch die jeweiligen Maßnahmen individuell festzulegen und zu beantragen. Die Art der Einschränkung bzw. Behinderung ist durch ein ärztliches Attest oder einen Schwerbehindertenausweis nachzuweisen.

Im Antrag an den Prüfungsausschuss sind Art und Umfang der Modifikation genau zu beschreiben. Die beantragten Änderungen können Art, Form und Inhalt der zu erbringenden Prüfungsleistungen betreffen. Die Gewährung eines Nachteilsausgleiches darf sich nicht auf die Bewertung der Leistungen auswirken. In den Zeugnissen dürfen keine Hinweise auf den Nachteilsausgleich aufgenommen werden.

Wichtig ist vor allen, dass durch den Nachteilsausgleich die fachlichen Anforderungen an die Studierenden nicht vermindert werden. Es handelt sich nur um Prüfungsanpassungen, die den Nachteil, der den Studierenden aufgrund ihrer Behinderung oder chronischen Krankheit gegenüber anderen Prüfungsteilnehmern entstehen, ausgleichen sollen.

Eine Liste von möglichen Modifikationen sowie die gesetzlichen Grundlagen sind in den Empfehlungen des Beirates der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung zu finden. Diese Empfehlung sowie gesonderte Empfehlungen zu bestimmten Studiengängen sind auf dem Webauftritt des Deutschen Studentenwerk, abzurufen.



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