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Aufbereitung von elektronischer Literatur für hochgradig sehgeschädigte Studierende

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu dem verfolgten Ziel der Literaturaufbereitung, sowie Details zur praktischen Umsetzung. Des Weiteren erläutern wir einiges zur eingesetzten mathematischen Notation in den aufbereiteten Materialien

Zusätzlich wird auf rechtliche Aspekte hingewiesen und beschrieben wie durch sehgeschädigte Leser eine ganz praktische Nutzung abläuft.

Ziel:

Ein wichtiger Teil der Unterstützung des Studiums blinder und sehbehinderter Studierender ist das Bereitstellen von geeignetem Studienmaterial. Bedingt durch die individuelle hochgradige Sehschädigung, können die üblicherweise anderen nichtbehinderten Studierenden zur Verfügung stehenden Studienmaterialien nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden.

Deshalb wurde 1990 die Arbeitsgruppe Studium für Blinde und Sehbehinderte (AG SBS) an der Fakultät Informatik gegründet, welche versucht Nachteile im Studium Sehgeschädigter zu mindern. Ziel ist ein barrierefreies elektronisches Dokument, das zitierfähig alle Informationen des Originals enthält.

Praktische Umsetzung:

Von den jeweiligen Fakultäten, an denen sehgeschädigte Studierende eingeschrieben sind, werden studentische Hilfskräfte (Tutoren) beschäftigt, mit der Aufgabe wichtige Studienmaterialien, wie Vorlesungsskripte, Folien, Übungsaufgaben, Fachbücher und andere Dokumente auf elektronischem Weg für eine nutzergerechte Darstellung aufzubereiten. Diese Arbeiten werden technologisch betreut durch Mitarbeiter der AG SBS, in Zusammenarbeit mit einem Ansprechpartner an den jeweiligen Fakultäten.

Verwendet wurde in den Anfangszeiten das ASCII-Format, später wurde auf barrierefreies HTML umgestellt.

Grundlage der Bearbeitung ist eine Anleitung (Tutorenanleitung), die festlegt, wie die Dokumente aufgebaut sind und die eine einheitliche zitierfähige Gestaltung sowie wissenschaftliches Arbeiten der sehgeschädigten Studierenden gewährleistet. Bilder und grafische Darstellungen werden alternativ beschrieben oder können als taktile Grafik angefertigt werden.

Für mathematische Darstellungen, wie Formeln oder auch für Sonderzeichen die im Original als Grafik vorhanden sind, muss ebenfalls eine alternative linearisierte Darstellungsform verwendet werden.

Mathematik:

Für den Sonderfall der wissenschaftlichen elektronischen Studienliteratur wurde und wird an der TU Dresden die ASCII-Mathematikschrift verwendet. Diese ist auch durch studentische Hilfskräfte, welche die Umsetzung vornehmen und Mitarbeiter der TU Dresden, die die Studenten unterrichten oder prüfen leicht erlernbar und ermöglicht die Kommunikation zwischen blinden Studierenden, Kommilitonen und Lehrkörper.

In letzter Zeit fand als weitere Mathematikschrift die LaTeX-Schreibweise Verwendung. Sie bietet vor allem in Richtungen mit hohem und komplexem mathematischen Anteil den Vorteil der Nachnutzung vorhandener Quelltexte, die meist schon in LaTeX erstellt wurden. Diese Schreibweise erfordert einen höheren Lernaufwand, ermöglicht aber selbst wieder das eigene Erstellen von Dokumenten mit mathematischem Inhalt. In der Studienrichtung der Informatik z.B. verwendet und erstellt ein großer Teil des Lehrkörpers seine eigenen Studienmaterialien in Latex, so das seit 2005 mit der Neuimmatrikulation eines blinden Informatikstudenten die LaTeX-Schreibweise für Informatikstudienmaterialien verwendet wird.

Unter dem Punkt Mathematik können Sie sich auch anhand einer Gegenüberstellung der beiden Notationen ein Bild über deren Einsatz verschaffen.

Rechte und Nachnutzung:

Die Urheberrechte der übertragenen Studienmaterialien werden durch Vereinbarungen mit den jeweiligen Autoren/ Verlagen berücksichtigt. Dabei wird eine Nachnutzung der bei den Autoren oder Verlagen vorhandenen elektronischen Quelltexte angestrebt. Um eine Nachnutzung der an der TU Dresden aufbereiteten Studienmaterialien zu sichern und Doppelarbeiten zu vermeiden erfolgt eine Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Dortmund, die den Sehkon (Sehgeschädigtengerechter Katalog Online) betreibt, ein Verzeichnis von Medien für Sehgeschädigte mit zitierfähig umgesetzter wissenschaftlicher Literatur im deutschsprachigen Raum.

Nutzung durch Sehgeschädigte:

Abhängig von diesen Vereinbarungen können Sehgeschädigte diese speziell aufbereitete Literatur nachnutzen. Sehgeschädigten Studierenden der TU Dresden wird ein direkter Zugriff über ein lokales Netzwerk auf ein mit Passwort geschütztes Verzeichnis mit diesem Studienmaterial eingerichtet.

Die Nutzung erfolgt dann mit der jeweiligen individuellen Ausstattung (eigenem PC, Braillezeile Großschrift, Sprachausgabe) des Studenten oder der im LAS zur Verfügung stehenden Spezialtechnik.

Nutzer außerhalb der TU Dresden können über Fernleihe diese Literatur nachnutzen.



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